Dein neuer Mitarbeitender ist motiviert, lernt schnell und behauptet von sich, erstaunlich viele Aufgaben übernehmen zu können. Also beginnst du mit dem klassischen Rundgang durchs Unternehmen.
Du zeigst die schicke Teeküche. Den Kicker, den seit Monaten niemand benutzt. Den Raucherbereich. Vielleicht erklärst du noch, welche Kaffeemaschine ständig Probleme macht und bei wem man besser zweimal nachfragt, bevor man einen Termin einstellt.
Während du deine übliche Tour abspulst, fällt dir plötzlich etwas auf…
Dein neuer Mitarbeitender hat keinen Schreibtisch.
Keine Zugangskarte. Keinen Computer. Kein Arbeitsmaterial. Keine Telefonnummer. Und eigentlich auch keinen Weg, dich zu erreichen.
Er steht einfach mitten im Büro und wartet auf Anweisungen.
Genau an diesem Punkt befinden sich die meisten KI-Mitarbeitenden (Agenten) direkt nach ihrer Installation. Das Wesen lebt vielleicht schon. Arbeiten kann es deshalb noch lange nicht.
In diesem Kapitel gehen wir das an.
Wir werfen nicht einfach irgendeinen Chatbot zusammen und hoffen, dass er sich nützlich macht. Wir bauen das Fundament für einen digitalen Mitarbeitenden, der dauerhaft, zuverlässig und möglichst sicher mit dir zusammenarbeiten kann.
Ein bisschen fühlt es sich an wie in einem Frankenstein-Labor.
Vor dir liegen verschiedene Bauteile: ein Gehirn, ein Gedächtnis, Kommunikationskanäle, Werkzeuge und Zugänge zu deinem Unternehmen. Noch sind sie nicht miteinander verbunden. Erst nach und nach wird daraus ein funktionierendes Wesen.
Als Grundlage verwenden wir den Hermes Agent.
Es gibt zahlreiche Alternativen, auf die ich in späteren Kapiteln ebenfalls eingehen werde. Für den Anfang habe ich jedoch bewusst einen konkreten und vollständig dokumentierten Weg ausgewählt.
Denn theoretisch könntest du jetzt Dutzende Systeme testen, Modelle vergleichen, Installationen abbrechen, neue Frameworks ausprobieren und dich tagelang durch Dokumentationen klicken. Am Ende hättest du etwas über KI-Agenten gelernt und trotzdem noch immer kein funktionierendes System.
Hermes eignet sich für unser Vorhaben besonders gut, weil wir keinen reinen Chat mit einer Sammlung von Plugins erschaffen wollen. Dein Mitarbeitender soll sich an eure Zusammenarbeit erinnern, wiederkehrende Abläufe verstehen und mit der Zeit lernen, wie du arbeitest.
Jetzt beginnt das eigentliche Erschaffen.
Zuerst bekommt dein KI-Mitarbeitender einen eigenen Arbeitsplatz. Einen Ort, an dem er läuft, seine Informationen ablegt und für neue Aufgaben bereit ist.
Danach setzen wir ihm sein Gehirn ein.
Dieses Gehirn besteht aus den Sprachmodellen, die später seine Aufgaben bearbeiten. Du hinterlegst den passenden Zugangsschlüssel, wählst erste Modelle aus und entscheidest, welche Denkmaschine dein neues Wesen für welche Aufgabe verwenden soll.
Anschließend geben wir ihm eine Stimme und einen Weg, dich zu erreichen.
Zum Beispiel über Telegram, Discord oder WhatsApp.
Du musst dadurch nicht jedes Mal ein technisches Dashboard öffnen, nur um eine kurze Aufgabe zu vergeben. Dein KI-Mitarbeitender wird zu einem Kontakt, dem du direkt schreiben kannst, wie einem echten Kollegen.
Dann kommen die Werkzeuge.
Projektmanagement. Dateien. Aufgabenlisten. E-Mails. Kalender. Kommunikation und weitere Apps, in denen deine eigentliche Arbeit stattfindet.
Hier solltest du allerdings nicht sämtliche Türen gleichzeitig aufreißen.
Auch ein menschlicher Mitarbeitender bekommt am ersten Arbeitstag normalerweise nicht den Generalschlüssel, Zugriff auf das Email Konto der Geschäftsführung, DATEV Admin Zugang und die Erlaubnis, im Namen der Geschäftsführung LinkedIn Nachrichten zu verschicken.
Dein digitales Wesen wird deshalb Schritt für Schritt ausgestattet und sozusagen eingearbeitet.
Erst bekommt es ein, zwei Werkzeuge. Dann eine Aufgabe. Dann etwas mehr Verantwortung.
Du lernst, Zugriffe bewusst zu vergeben, Berechtigungen einzugrenzen und deinen KI-Mitarbeitenden innerhalb der ersten gemeinsamen Tage in deine Arbeitswelt einzuführen. So wird er nützlich, ohne unnötige Risiken zu erzeugen.
Am Ende dieses Kapitels steht deshalb dein erster einsatzbereiter KI-Mitarbeitender vor dir.
Er besitzt einen Arbeitsplatz. Ein Gehirn. Einen Kommunikationskanal. Erste Werkzeuge.
Er ist erreichbar, bereit, dich kennenzulernen, und wartet auf seine erste richtige Aufgabe.
Let’s go.
Die ersten Einstellungen in Hermes Agent
(Bonus) Hermes Onboarding Prompt
Warum wir nicht Claude CoWork oder Codex verwenden